Beim Bundesfinanzhof ging es ganz aktuell mal wieder um die Abzugsfähigkeit der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer. Der Gesetzgeber hatte die Abzugsfähigkeit mit dem Steueränderungsgesetz beginnend ab 01.01.2007 deutlich verschärft, im Gegenzug aber bei Vorliegen der Voraussetzungen einen unbegrenzten Abzug zugelassen. 

Urteil des BFH vom 26.03.2009 zum Arbeitszimmer

Der Bundesfinanzhof hat in seinem Urteil vom 26.03.2009 (Az. VI R 15/07) erneut über die Abzugsfähigkeit der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer entschieden und die Gründe der Entscheidung heute veröffentlicht. In den Leitsätzen zum genannten Urteil führt der BFH zur Abzugsfähigkeit der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer folgendes aus:

  1. Ein Raum ist als häusliches Arbeitszimmer von anderen beruflich genutzten Zimmern im häuslichen Bereich abzugrenzen.
  2. Räumlichkeiten, die ihrer Ausstattung und Funktion nach nicht einem Büro entsprechen, sind auch dann nicht dem Typus Häusliches Arbeitszimmer zuzuordnen, wenn sie ihrer Lage nach mit dem Wohnraum des Steuerpflichtigen verbunden und so in dessen häusliche Sphäre eingebunden sind.
  3. Ist eine Zuordnung zum Typus Häusliches Arbeitszimmer nicht möglich, sind die durch die berufliche Nutzung veranlassten Aufwendungen grundsätzlich unbeschränkt als Werbungskosten gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG abziehbar.

Kläger war ein Diplom-Ingenieur, der für die Firma XY nichtselbständig tätig und zwar für die Beratung, den Verkauf und die Betreuung der Kunden, wobei er die verwaltende Tätigkeit ausschließlich in einem häuslichen Arbeitszimmer an seinem Wohnsitz ausführte. Im Rahmen der Einkommensteuererklärung 2003 wollte der Kläger unter anderem die Kosten für sein Arbeitszimmer in Höhe von 3.325 € absetzen, im Rahmen der Anlage N als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit. Das Finanzamt akzeptierte den Abzug der Kosten für das Arbeitszimmer gemäß § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 Halbsatz 1 EStG (alte Fassung) nur in Höhe von 1.250 €.

Im Einspruchsverfahren gegen den Einkommensteuerbescheid beantragte der Kläger die volle Abzugsfähigkeit der Kosten für das Arbeitszimmer, da diese wegen der ausschließlich beruflichen Nutzung unbeschränkt abziehbar seien. Das FA wies den Einspruch jedoch als unbegründet zurück.

Nachdem das Finanzgericht Düsseldorf (FG) den Abzug der Kosten für das Arbeitszimmer nur in Höhe von 1.271 Euro als Werbungskosten billigte, legte der Kläger gegen das Urteil die Revision ein.

In den Entscheidungsgründen führte der BFH wie folgt aus:

1. Nach § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG kann ein Steuerpflichtiger Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer als Werbungskosten abziehen, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet.

a) Nach der Rechtsprechung des BFH handelt es beim häuslichen Arbeitszimmer um das häusliche Büro, d.h. einen Arbeitsraum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer Arbeiten dient (ständige Rechtsprechung, s. etwa BFH-Urteile vom 19. September 2002 VI R 70/01, BFHE 200, 336, BStBl II 2003, 139; vom 20. November 2003 IV R 30/03, BFHE 204, 176, BStBl II 2004, 775; vom 18. August 2005 VI R 39/04, BFHE 211, 447, BStBl II 2006, 428; vom 22. November 2006 X R 1/05, BFHE 216, 110, BStBl II 2007, 304). Der Nutzung entsprechend ist das häusliche Arbeitszimmer typischerweise mit Büromöbeln eingerichtet, wobei der Schreibtisch regelmäßig das zentrale Möbelstück darstellt (BFH-Urteile vom 16. Oktober 2002 XI R 89/00, BFHE 201, 27, BStBl II 2003, 185; vom 20. November 2003 IV R 3/02, BFHE 205, 46, BStBl II 2005, 203).

Räumlichkeiten, die ihrer Ausstattung und Funktion nach nicht einem Büro entsprechen, sind auch dann nicht dem Typus des häuslichen Arbeitszimmer zuzuordnen, wenn sie ihrer Lage nach mit dem Wohnraum des Steuerpflichtigen verbunden und deswegen in dessen häusliche Sphäre eingebunden sind. Dies betrifft  in erster Linie Lager, Werkstatt, Arztpraxis oder einen Ausstellungsraum (BFH-Urteile vom 19. März 2003 VI R 40/01, BFH/NV 2003, 1163; in BFHE 200, 336, BStBl II 2003, 139; in BFHE 205, 46, BStBl II 2005, 203; vom 5. Dezember 2002 IV R 7/01, BFHE 201, 166, BStBl II 2003, 463; vom 26. Juni 2003 VI R 10/02, BFH/NV 2003, 1560; in BFHE 201, 27, BStBl II 2003, 185; in BFHE 204, 176, BStBl II 2004, 775). Im Einzelfall ist das häusliche Arbeitszimmer von anderen beruflich oder betrieblich genutzten Zimmern im häuslichen Bereich abzugrenzen.

b) Ob ein Raum als häusliches Arbeitszimmer anzusehen ist, lässt sich nur aufgrund einer Gesamtwürdigung der Umstände des Einzelfall entscheiden (BFH-Urteil in BFHE 201, 27, BStBl II 2003, 185). Ist eine Zuordnung zum Typus des häuslichen Arbeitszimmer nicht möglich, so sind die durch die berufliche Nutzung veranlassten Aufwendungen grundsätzlich unbeschränkt als Werbungskosten gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG abziehbar. Nach allgemeinen Grundsätzen ist aber zusätzlich erforderlich, dass die betreffenden Räumlichkeiten nahezu ausschließlich beruflich genutzt werden (BFH-Urteile in BFHE 205, 46, BStBl II 2005, 203; in BFHE 216, 110, BStBl II 2007, 304). Begehrt der Steuerpflichtige den Werbungskostenabzug für mehrere in seine häusliche Sphäre eingebundene Räume, ist die Qualifizierung als häusliches Arbeitszimmer grundsätzlich für jeden Raum gesondert vorzunehmen. Eine gemeinsame Qualifizierung kommt dann in Betracht, wenn die Räume eine funktionale Einheit bilden. Diese liegt aber nur vor, wenn verschiedene Räume nahezu identisch genutzt werden (BFH-Urteile in BFHE 204, 176, BStBl II 2004, 775; in BFHE 205, 46, BStBl II 2005, 203). Insoweit kann insbesondere auch ein als Archiv genutzter Raum unter Berücksichtigung seiner Ausstattung, Lage und Funktion als Teil des häuslichen Arbeitszimmers anzusehen sein (BFH-Urteil in BFHE 200, 336, BStBl II 2003, 139).

Von diesen Rechtsgrundsätzen ist das erstinstanzliche FG abgewichen, so dass die Entscheidung aufzuheben war. Der Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung des Kläger war unstreitig zu Hause. Ebenfalls unstreitig sind die noch strittigen Räume (alle außer Büro und Archiv) nicht mit typischen Büromöbeln ausgestattet und erfüllen deshalb jeweils nicht die Funktion, die typischerweise einem häuslichen Arbeitszimmer zukommt. Das FG hat jedoch nicht geprüft, ob die Kosten für diese Räume unabhängig davon abzugsfähig sind. Das wäre dann der Fall, wenn die streitigen Zimmer so gut wie ausschließlich beruflich, d.h. insbesondere für Kundenpräsentationen und Kundengespräche, genutzt werden. Das muss nun durch das FG noch geprüft werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Zeiten der Nichtnutzung nicht der außerberuflichen Nutzung zugerechnet werden dürfen (BFH-Urteile in BFHE 205, 46, BStBl II 2005, 203; in BFHE 201, 166, BStBl II 2003, 463).

c) Wird festgestellt, dass die streitigen Räume so gut wie ausschließlich beruflich genutzt werden, sind die durch die Nutzung veranlassten Aufwendungen als Werbungskosten abziehbar. Für die Berechnung der Raumkosten sind grundsätzlich die nicht unmittelbar zuzuordnenden Kosten im Verhältnis der Fläche dieser Räume zur Gesamtwohnfläche des Gebäude zu verteilen. In Abhängigkeit vom Umfang der Nutzung der Räume ist für die variablen Kosten auch ein anderer Aufteilungsmaßstab möglich.