Angesichts der Fülle der gesetzlichen Geschäftsführerpflichten während der Krise einer GmbH ist das Management und die Unternehmensführung in der Zeit unerhört anspruchsvoll und schwierig, weil die verschiedensten Gesetzesmaterien zu beachten sind. Der Geschäftsführer steht in dieser Phase stets unter einem extremen Handlungsdruck und zugleich ist er wachsenden zivilrechtlichen und strafrechlichen Haftungsrisiken ausgesetzt. Der unerfahrene Geschäftsführer verliert sich hier schnell im „Durcheinander der gesetzlichen Regelungen“. Für diese möchte ich einen kurzen Überblick über die zentralen Geschäftsführerflichten in der Krise der GmbH darstellen.

 

1. Sanierungskonzept bei Sanierungsfähigkeit

An erster Stelle steht die Analyse der Ursachen für die Krise und die Entscheidung des Geschäftsführers, ob die GmbH unter objektiven Gesichtspunkten sanierungsfähig ist. Dazu muss das Unternehmen mittel- bis langfristig (wieder) in der Lage sein, unter der Annahme eines perfekten Liquiditäts- und Forderungsmanagements einen Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben zu erwirtschaften. Hierzu muss der Geschäftsführer sich zunächst die Entwicklung der Krise vergegenwärtigen und prüfen, in welchem Stadium sich die GmbH befindet. Schon hier steht der Geschäftsführer vor einer gewaltigen Aufgabe, da er seine eigenen Entscheidungen selbstkritisch überprüfen muss. Fakt ist jedoch, dass die meisten Unternehmenskrisen „hausgemacht“ sind und in mehreren Etappen verlaufen, also das Ergebnis falscher Entscheidungen der Geschäftsführung. Ohne eine selbstkritische Analyse der Ursachen für die Krise ist eine Sanierung jedoch unmöglich. Kommt der Geschäftsführer auf Basis dieser selbstkritischen Untersuchung zum Ergebnis, dass eine Sanierung objektiv möglich ist, erstellt er ein Sanierungskonzept, aus dem die strategischen Ziele in Zukunft deutlich zu erkennen sein müssen. Der Geschäftsführer beschreibt hierzu den Soll-Zustand und die Maßnahmen, die hierzu erforderlich sind.

Denkbar sind folgende Maßnahmen:

  • Schließung oder Veräußerung einzelner Unternehmensteile,
  • Realisierung stiller Reserven durch Veräußerung,
  • Akquise neuer Geschäftsfelder,
  • Veränderung der betrieblichen Organisation,
  • Konsolidierung beim Personal,
  • Umschuldung oder
  • Kapitalerhöhung.

Aus dem zugrundeliegenden Sanierungskonzept sollten sich folgende Informationen ergeben:

  • Unternehmensbeschreibung mit Status quo,
  • Analyse der Ursachen für die Krise,
  • Definition und Beschreibung der Ziele,
  • Beschreibung der erforderlichen Maßnahmen,
  • Planrechnungen (GuV,Bilanz,Cashflow)
  • konkrete Schritte der Umsetzung der Planung.

Die GmbH muss nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen in der Lage sein, die Geschäftstätigkeit mit hinreichender Wahrscheinlichkeit aus eigenen Mitteln zu finanzieren, einschließlich Abschreibungen und Finanzierungskosten.

2. Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Liquidität

Die Maßnahmen zur Verbesserung bzw. die Sicherstellung der Liquidität des Unternehmens gehören zu den Sofortmaßnahmen, die ein Geschäftsführer bei Eintritt bzw. Entdeckung einer Unternehmenskrise ergreifen muss. Stellt er jedoch fest, dass die GmbH bereits das Stadium der Insolvenzreife erreicht hat, bleiben ihm gem. § 64 Abs. 1 GmbHG nur noch 3 Wochen Zeit, die Insolvenzreife wieder zu beseitigen. Die einzelnen Möglichkeiten zur Beseitigung der Insolvenzreife sind vielseitig, aber diffizil.

Update (Stand 06.09.2012): § 64 Abs. 1 GmbHG wurde rechtsformunabhängig durch die Regelung in § 15a InsO ersetzt. Die Wochen-Frist blieb unverändert.

3. Einberufung einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung

Nach § 49 Abs. 3 GmbHG ist der Geschäftsführer verpflichtet, unverzüglich eine außerordentliche Gesellschafterversammlung einzuberufen, wenn die Hälfte des eingetragenen Stammkapitals aufgezehrt ist. Werden durch einen Verstoß hiergegen frühzeitige Sanierungsmaßnahmen durch die Gesellschafter verhindert, besteht für den Geschäftsführer selbst die Gefahr der Schadenersatzverpflichtung gem. § 43 GmbHG. Im Rahmen der Einladung der Gesellschafter zur außerordentlichen Gesellschafterversammlung (Muster einer Einladung) muss der Geschäftsführer dringend darauf achten, dass die Gesellschafterversammlung beschlussfähig ist. Hierzu gehört an erster Stelle, das die satzungsmäßigen Formalien bei der Ladung der Gesellschafter zur Gesellschafterversammlung detailgenau eingehalten werden.

4. Schutz des Stammkapitals der GmbH

Bei der GmbH handelt es sich um eine Kapitalgesellschaft mit einem gesetzlich definierten Stammkapital in Höhe von mindestens EUR 25.000,00, das im Falle der Bargründung mindestens zur Hälfte eingezahlt werden muss. Das Stammkapital der GmbH wird durch § 30 GmbHG gesetzlich vor Rückzahlungen an die Gesellschafter geschützt.

Sobald das Reinvermögen der GmbH unter das eingetragene Stammkapital absinkt, entsteht eine sog. Unterbilanz. Von diesem Zeitpunkt an ist der Geschäftsführer zu besonderen Maßnahmen verpflichtet, so dass keine (weiteren) Kapitalzahlungen (oder Leistungen) an die Gesellschafter ausgeführt werden, sofern diese nicht im Austausch für gleichwertige Gegenleistungen der Gesellschafter erfolgen. Das gleiche gilt für solche Zahlungen (oder Leistungen) an Gesellschafter, die zu einer Unterbilanz führen. Auch Zahlungen (oder Leistungen) an nahe Angehörige der Gesellschafter sind von diesem Zeitpunkt an nicht mehr zulässig. Bestehen Anhaltspunkte dafür, dass das Reinvermögen der GmbH das eingetragene Stammkapital der GmbH unterschreitet, muss der Geschäftsführer auf Basis der handelsrechtlichen Bewertungsregelungen eine Unterbilanz- Rechnung erstellen (lassen).

5. Pflicht zum Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens

Die Artikelreihe zur GmbH in der Krise wird fortgesetzt mit der Pflicht der Geschäftsführer zum Insolvenzantrag, wenn einer der Tatbestände der Zahlungsunfähigkeit oder der Überschuldung gem. Insolvenzordnung vorliegt.