Die neue Rechtslage für Arbeitszimmer gilt gem. § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG 2007 i.V.m. § 9 Abs. 5 EStG 2007 nur für häusliche Arbeitszimmer. Alle anderen Räumlichkeiten sind von der Abzugsbeschränkung des § 4 Abs. 5 EStG nicht betroffen. Was unter einem häuslichen Arbeitszimmer zu verstehen ist, wird gesetzlich jedoch nicht definiert.

1. Grundsatz

Der Bundesfinanzhof beschreibt ein häusliches Arbeitszimmer wie folgt:

Ein häusliches Arbeitszimmer i.S. des § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG 2007 ist ein Raum, der

  • nach seiner Funktion und Ausstattung und
  • nach seiner Lage in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist und
  • vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer bzw. -organisatorischer Arbeiten
  • nahezu ausschließlich zu betrieblichen oder beruflichen Zwecken

dient.

2. Nach Funktion und Ausstattung kein Arbeitszimmer

Nach der Definition des Bundesfinanzhof handelt es sich bei folgenden Räumlichkeiten nicht um ein häusliches „Arbeitszimmer“:

a)    Lager, Werkstatt, Ausstellungsraum

Räume, die hinsichtlich Ausstattung und Funktion atypisch für ein Arbeitszimmer sind, gelten nicht als Arbeitszimmer, unabhängig davon, ob sie der Lage nach in die häusliche Sphäre eingebunden sind. Werden solche Räume nahezu ausschließlich für berufliche oder betriebliche Zwecke genutzt, sind die Kosten in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzbar.

Beispiele:

b)    Gemischte Nutzung eines Raums als Büro und als Lager

Bei gemischt genutzten Räumen, z.B. ein Lagerraum mit Schreibtisch, ist nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhof wie folgt zu verfahren:

Die Abzugsbeschränkung des § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG 2007 gilt für einen derart gemischt genutzten Raum nur dann,

  • wenn der Raum nach dem Gesamtbild vor allem aufgrund seiner Ausstattung und Funktion
  • ein typisches häusliches Arbeitszimmer ist und
  • die Ausstattung und Funktion des Raums als Lager dahinter zurücktritt.

Es kommt also darauf an, ob der Raum durch den Schreibtisch und die übrige Einrichtung seinen Charakter als Arbeitszimmer erhält oder ob die aufgestellten Regale und Lagervorrichtungen die prägenden Möbelstücke sind. Handelt es sich danach um einen Lagerraum, sind die Kosten in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten abziehbar. Bei der Ermittlung der Kosten für einen solche Raum muß jedoch die Fläche des Lagerraum ins Verhältnis zur Gesamtfläche aller Räume im Gebäude gesetzt werden, wodurch der Kostenanteil geringer wird.

c)    Büroräume mit intensivem Publikumsverkehr

Typischerweise sind häusliche Arbeitszimmer nicht für einen offenen Publikumsverkehr vorgesehen. Ist dies jedoch der Fall, handelt es sich gem. Rechtsprechung des BFH nach seiner Funktion um kein häusliches Arbeitszimmer. Die Kosten für solche Räume sind daher in voller Höhe als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehbar, sofern der Raum so gut wie ausschließlich für berufliche oder betriebliche Zwecke genutzt wird.

Beispiele:

d)    Beschäftigung von fremden Mitarbeitern

Werden in der betreffenden Räumlichkeiten familienfremde bzw. nicht haushaltszugehörige Personen beschäftigt, gilt er seiner Funktion nach nicht als häusliches „Arbeitszimmer“.

Beispiel:

  • Rechtsanwaltsanwaltskanzlei mit Sekretariat für zwei fremde Teilzeitkräfte.