Der Übergang vom Verbrennungsmotor zum Elektroauto ist eine der größten Herausforderungen für die deutsche Automobilindustrie seit ihrer Entstehung. Diese Umstellung bringt eine Vielzahl von Aufgaben mit sich, die traditionelle Autohersteller wie BMW, Mercedes und Volkswagen bewältigen müssen. Der Wechsel zur Elektromobilität erfordert nicht nur umfangreiche Anpassungen bei den Lieferketten und in der Produktion, sondern auch erhebliche finanzielle Investitionen und betriebliche Umstrukturierungen.

Die notwendige Transformation kollidiert mit den Erwartungen der Aktionäre, die an satte Gewinne und schöne Dividenden gewöhnt sind. Während Tesla den deutschen Automobilherstellern in Sachen Reichweite und autonomes Fahren weit voraus ist, drängen neue, agile Wettbewerber wie Rivian und Lucid Motors sowie starke Konkurrenten aus China wie BYD und NIO auf den globalen Markt. Gleichzeitig haben sich auch die Präferenzen der Konsumenten geändert, wobei die Leistungsfähigkeit der Batterien und Ladeinfrastruktur zunehmend im Fokus stehen.

Elektroautos sollen den Verkehr in Europa nachhaltiger machen. Daher beschloss die Europäische Union Anfang 2023, dass ab 2035 keine Verbrennerautos mehr zugelassen werden dürfen. Im Zusammenhang mit der Mobilitätswende sind weitere strenge Umwelt- und Emissionsvorschriften der EU zu erwarten.

In diesem Artikel schauen wir uns die 10 Herausforderungen für die deutsche Automobilindustrie an, die sich aus dem Übergang zur Elektromobilität ergeben.

Inhalt:

  1. Änderungen bei Lieferketten und in der Produktion
  2. Betriebliche Investitionen und organisatorische Neuausrichtung
  3. Erwartungen der Aktionäre an Gewinne und Dividenden
  4. Konkurrenzdruck von neuen Wettbewerbern und aus China
  5. Verschärfung der Emissions- und Umweltvorschriften
  6. Neue Wünsche und Präferenzen der Konsumenten
  7. Entwicklung leistungsfähiger Batterien
  8. Elektrifizierung: Von der Hardware zur Software
  9. Investitionen und Partnerschaften zum Aufbau der Ladeinfrastruktur
  10. Skalierung, Kosteneffizienz und Preisgestaltung

1. Änderungen bei Lieferketten und in der Produktion

Die Transformation vom Verbrennermotor zur Elektromobilität zwingt Automobilhersteller, ihre Lieferketten und Produktionsprozesse grundlegend zu überarbeiten. Traditionelle Komponenten wie Verbrennungsmotoren und Getriebe werden durch Elektromotoren und Batterien ersetzt, was neue spezialisierte Lieferanten und Fertigungsmethoden erfordert.

Zudem müssen Hersteller in moderne Produktionsanlagen und Automatisierung investieren, um die Effizienz und Skalierbarkeit der Fertigung zu gewährleisten. Diese Anpassungen sind notwendig, um den steigenden Anforderungen und der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen gerecht zu werden und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu bleiben.

2. Betriebliche Investitionen und organisatorische Neuausrichtung

Die Umstellung der Produktion auf Elektroautos erfordert erhebliche betriebliche Investitionen und eine umfassende organisatorische Neuausrichtung. Unternehmen müssen in Forschung und Entwicklung neuer Technologien und Komponenten investieren, moderne Produktionsanlagen errichten und ihre Belegschaft auf neue Aufgaben qualifizieren.

Gleichzeitig sind die internen Strukturen und Prozesse anzupassen, um die Effizienz zu steigern und flexibel auf Marktveränderungen reagieren zu können. Dazu gehören die Optimierung der Produktion, eine stärkere Integration von IT und Software sowie die Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeit.

3. Erwartungen der Aktionäre an Gewinne und Dividenden

Die Elektromobilität bringt für Investoren und Aktionäre große Unsicherheiten mit sich. Während sie sich in der Vergangenheit an stattliche Gewinne und hohe Dividenden durch den Verkauf von Autos gewöhnt haben, sind nun Gewinnrückgänge einzukalkulieren und hohe Investitionen in die Zukunft erforderlich.

Die deutschen Automobilhersteller sind gefordert, eine gute Balance zwischen kurzfristigen und langfristigen Zielen zu finden und das Vertrauen der Investoren zu erhalten. Eine klare Vision und nachhaltige Wachstumsstrategien werden entscheidend, um die Aktionäre von den zukünftigen Potenzialen und der Notwendigkeit dieser Transformation zu überzeugen.

4. Konkurrenzdruck von neuen Wettbewerbern und aus China

Die deutsche Automobilindustrie muss sich gleichzeitig der technologischen Dominanz von Tesla und dem wachsenden Konkurrenzdruck durch neue Marktteilnehmer und starke Wettbewerber aus China stellen. Spezialisierte Hersteller von Elektroautos wie Tesla und Rivian sowie BYD und NIO aus China können sich voll auf ihren Markt konzentrieren und drängen mit Innovationen und attraktiven Modellen vor.

Infografik: Wer führt im deutschen E-Auto-Markt? | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Die neuen Akteure sind oft agiler und getrieben von neuen Technologien, was den Druck auf die traditionelle deutsche Automobilindustrie weiter erhöht, die Transformation vom Verbrenner zum Elektroauto schnell und effektiv zu meistern.

5. Verschärfung der Emissions- und Umweltvorschriften

Die zunehmend sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels werden zu einer weiteren Verschärfung der Emissions- und Umweltvorschriften führen. Regierungen weltweit setzen zunehmend strengere Standards zur Reduzierung von CO2-Emissionen und zur Förderung nachhaltiger Mobilität durch.

Elektroautos sollen den Verkehr nachhaltiger machen. Aus diesem Grund beschloss die Europäische Union Anfang des Jahres 2023 das Aus des Verbrenners. Ab 2035 sollen in der EU keine Verbrennerautos mehr zugelassen werden. Diese Entscheidung zeigt die Dringlichkeit der Herausforderungen für die deutsche Automobilindustrie, aber auch für die Branchen der Luft- und Schifffahrt.

Autos mit Verbrennungsmotor sind nach den Zahlen der European Automobile Manufacturers (ACEA) schon jetzt ein Auslaufmodell. Die Gesamtzahl der neu registrierten Autos hat nach dem Beginn der Covid-19-Pandemie in 2020 stark abgenommen, and anders als in anderen Branchen hat mit dem Quasi-Ende der Pandemie keine Erholung eingesetzt. Anders entwickelten sich indes Elektro- und Hybridautos, bei denen die Zahl der Neuzulassungen 2022 gegenüber dem Vorjahr und 2019 rapide gestiegen ist.

Infografik: Verbrenner auf dem Weg zum Auslaufmodell | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Diese Entwicklungen machen es für die deutsche Automobilindustrie unabdingbar, die Transformation zur Elektromobilität zu beschleunigen und zu intensivieren. Wenn in der Zukunft keine politische Kehrtwende erfolgt, lässt sich dieser Trend zur Elektromobilität nicht mehr umdrehen.

6. Neue Wünsche und Präferenzen der Konsumenten

Die Wünsche und Präferenzen der Konsumenten haben sich hin zu umweltfreundlicheren und technologisch fortschrittlicheren Fahrzeugen gewandelt. Die Käufer von Neuwagen legen zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit, geringe Emissionen und innovative Features wie Konnektivität und autonomes Fahren. Eine entscheidende Rolle spielt auch die Reichweite der Elektroautos und die Verfügbarkeit einer zuverlässigen Ladeinfrastruktur. Autohersteller, die diese Bedürfnisse schon heute erfüllen können, sichern sich langfristig einen Wettbewerbsvorteil.

Das Model Y von Tesla ist nach der Anzahl der Neuzulassungen 2024 das beliebteste Elektroauto (BEV) in Deutschland. Erst mit deutlichem Abstand folgen deutsche Autohersteller, allen voran die E-Klasse von Mercedes und der Volkswagen ID.4 inklusive der Coupé-Version ID.5. Dies zeigt den Vorsprung und die Dominanz von Tesla im Bereich der Elektroautos, wobei Elon Musk selbst, einer der erfolgreichsten Unternehmer des 21. Jahrhunderts, das Geheimnis des Erfolgs von Tesla auf seinen genialen Masterplan zurückgeführt hat. Er war einer der wenigen, die es verstanden haben, die Notwendigkeit eines Wandels in der Automobilindustrie zu mehr Nachhaltigkeit in die Realität umzusetzen. Sein Masterplan ist ein Musterbeispiel für die strategische Planung der Unternehmensführung und vereint Vision, Mission und Strategie auf eindrucksvolle Weise.

Infografik: Deutschlands beliebteste Elektroautos in 2024 | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Allerdings liegt der Anteil der Elektroautos an den Pkw-Neuzulassungen in Deutschland 2024 bei nur rund 10%, wobei der Wegfall der staatlichen Förderung einer der Gründe für diese Zurückhaltung bei deutschen Konsumenten ist.

7. Entwicklung leistungsfähiger Batterien

Die Entwicklung leistungsfähiger Batterien ist eine der zentralen Herausforderungen der Elektromobilität. Sie sind entscheidend für die Reichweite und Zuverlässigkeit von Elektrofahrzeugen, was eine erstrangige Rolle bei der Kaufentscheidung spielt.

Die deutsche Industrie hat bedeutende Fortschritte in der Batterietechnologie gemacht, steht jedoch weiter vor großen Herausforderungen und internationalem Wettbewerb. Deutschland hat die Investitionen in Forschung und Entwicklung massiv erhöht, um die Energiedichte und Lebensdauer von Batterien zu verbessern. Förderprogramme der Bundesregierung wie die Nationale Plattform Zukunft der Elektromobilität sind hierbei wichtig und unterstützen die Bemühungen der Automobilindustrie. Zudem beteiligt sich Deutschland an der European Battery Alliance, um eine eigene Batterieproduktion in Europa zu stärken.

Die großen Automobilhersteller wie BMW, Daimler und Volkswagen investieren bereits in eigene Batteriefabriken, um die Versorgung mit Batterien zu sichern. Volkswagen baut die Gigafactory in Salzgitter. Sie soll 2025 fertig sein und ist für VW ein echtes Zukunftsprojekt. Eine zentrale Rolle spielen auch Kooperationen mit führenden europäischen Batterieherstellern wie Northvolt.

Dennoch gibt es nach wie vor erhebliche Herausforderungen. Die Skalierung der Produktion von Batterien ist kostenintensiv, und deutsche Automobilhersteller müssen auf wettbewerbsfähige Preise achten. Zudem ist die nachhaltige Versorgung mit Rohstoffen wie Lithium und Kobalt kritisch, weshalb alternative Materialien und Recyclingprozesse erforscht werden.

8. Elektrifizierung: Von der Hardware zur Software

Die Elektrifizierung der Automobilindustrie verschiebt den Fokus zunehmend von Hardware auf Software, da die E-Autos von komplexer Software abhängig sind, die Batteriemanagement, Fahrassistenzsysteme und Konnektivität steuern.

In der nahen Zukunft wird auch die Integration künstlicher Intelligenz eine entscheidende Rolle spielen, da sie autonome Fahrfunktionen ermöglicht und die Effizienz sowie Sicherheit der Fahrzeuge weiter verbessert.

9. Investitionen und Partnerschaften zum Aufbau der Ladeinfrastruktur

Der Erfolg der Elektromobilität hängt maßgeblich vom Ausbau der Ladeinfrastruktur ab. Ladesäulen sind für den Betrieb von Elektroautos unabdingbar. Daher spielt der Ausbau der Ladeinfrastruktur eine zentrale Rolle für die Elektromobilität im Straßenverkehr. In Deutschland wächst die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte kontinuierlich an, wobei die Bundesregierung das Ziel ausgegeben hat, ein flächendeckendes Netz aus einer Million Ladepunkten bis 2030 zu erreichen.

Die deutschen Automobilhersteller investieren vor allem in Partnerschaften mit Energieversorgern und Technologieunternehmen, um ein dichtes Netzwerk an Ladestationen zu errichten. Diese Kooperationen sind entscheidend, um die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen insgesamt zu erhöhen und im Wettbewerb mit Tesla aufzuholen.

Bislang fließen öffentliche und private Investitionen vor allem in den Ausbau von Schnellladestationen an wichtigen Verkehrsknotenpunkten sowie in städtischen und ländlichen Gebieten. Anfang 2024 gab es in Deutschland rund 66.200 öffentliche Ladestationen für Elektroautos und etwa 123.400 Ladepunkte. Die meisten Ladestationen betreibt die EnBW mobility+ GmbH. Bayern führt mit rund 25.100 Ladepunkten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit etwa 22.700. Die Bundesregierung fördert den Ausbau der Ladeinfrastruktur, um den wachsenden Bedarf zu decken. Ein großes Förderprogramm ist das sogenannte Deutschlandnetz, das vor allem die Schnellladestationen an Autobahnen unterstützt.

10. Skalierung, Kosteneffizienz und Preisgestaltung

Die Skalierung der Produktion von Elektrofahrzeugen gehört ebenfalls zu den 10 Herausforderungen für die deutsche Automobilindustrie und ist entscheidend für Kosteneffizienz und wettbewerbsfähige Preisgestaltung. Automobilhersteller müssen hierzu ihre Produktionsprozesse optimieren und automatisieren, um Skaleneffekte zu nutzen und die Produktionskosten zu senken.

Gleichzeitig ist eine aggressive Preisgestaltung notwendig, um Elektrofahrzeuge für eine breite Kundenschicht attraktiv zu machen und gleichzeitig mit den forschen Konkurrenten aus dem Ausland mitzuhalten, insbesondere aus China.

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