Ethik und Moral sind Begriffe, für die in gewinnorientierten Unternehmen scheinbar kein Raum besteht, wo eher Umsatzwachstum und Gewinnmaximierung ganz oben auf der Agenda stehen. Dabei muss man gleich zu Beginn festhalten, dass sich Ethik und Moral mit Gewinnen ohne weiteres vereinbaren lässt. Ich würde sogar behaupten, dass nachhaltige Gewinne nur mit ethisch und moralisch vertretbaren Prinzipien zu erzielen sind. Deshalb bin ich kein Anhänger solcher Gedanken, die Gewinne unethisch oder moralisch verwerflich finden, völlig unabhängig von ihrer Höhe. In meinen Augen muss unternehmerisches Handeln sogar darauf gerichtet sein, Gewinne zu realisieren, da mit einem Unternehmen in der Regel Arbeitsplätze und Verbindlichkeiten verbunden sind, die auf Dauer nur mit entsprechenden Gewinnen erhalten bzw. befriedigt werden können. Auf der anderen Seite heiligt Gewinn nicht alle Mittel, diese zu realisieren.

Ethik und Moral

Ethik und Moral müssen in einem Unternehmen Tag für Tag gelebt und gefördert werden, insbesondere an höchster Stelle. Der Fisch stinkt meistens vom Kopf. Wie wichtig Ethik und Moral für ein Unternehmen sind, konnte zuletzt allzu deutlich bei Volkswagen bestaunt werden. Hier wurde mit einer einzigen unternehmerischen Entscheidung die Reputation einer ganzen Branche in Mitleidenschaft gezogen und der Standort Deutschland insgesamt beschädigt. Neben immensen Verlusten auf Seiten der Aktionären ist auch die Marke Volkswagen und „Das Auto“ massiv beschädigt. Wie man hier und da liest, hat man sich bei Volkswagen bewusst für den Einsatz einer „Schummelsoftware“ entschieden, um die Kostenvorgaben innerhalb des Konzerns einhalten zu können. Volkswagen ist jedoch keineswegs ein Einzelfall, weder hier in Deutschland noch weltweit. Und bei der Diskussion wird gerne auf die anderen gezeigt, die es „ja genauso machen“, als ob ein Verstoß gegen gesetzliche, ethische oder moralische Regeln damit gerechtfertigt werden könnte. Auch wenn wir noch nicht wissen, ob der EX-VW-Chef Winterkorn in den Vorgang „#Dieselgate“ aktiv verwickelt war, trifft ihn dessen ungeachtet die Hauptschuld. Vom 01.01.2007 bis zum Bekanntwerden der Manipulationen an den VW-Diesel-Motoren war er Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und in dieser Eigenschaft dafür verantwortlich, dass bei Volkswagen ethische und moralische Maßstäbe Anwendung finden, die zumindest die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben betreffend den Ausstoß von Schadstoffen einhalten. Leider muss man im Nachhinein sagen, dass auch der Volkswagen-Skandal keine Überraschung ist, wenn man sich all die anderen Negativbeispiele allein in Deutschland anschaut. ADAC, Deutsche Bank, Infineon, MAN und viele andere namhafte, teilweise börsennotierte Unternehmen, die mit Skandalen und Affären in Erscheinung getreten sind. Allein die Deutsche Bank ist aktuell in rund 7.000 rechtliche Auseinandersetzungen involviert. Immerhin ist der aktuelle Vorstandsvorsitzende Cryan nicht von einem Strafverfahren wegen versuchten Prozeßbetrugs belastet.

Ethik und Moral werden nicht belohnt

Ethik und Moral werden in unserem heutigen Wirtschaftssystem nicht belohnt, weder mit Geld noch mit mehr Ansehen oder Reputation. Es ist auch keineswegs so, dass Ethik und Moral persönliche Eigenschaften sind, die einen Manager auf dem Weg nach oben schneller ans Ziel bringen, ganz im Gegenteil. Wir leben in einer Gesellschaft, in der nur „gute Zahlen“ als Erfolg gelten und infolgedessen auch mit Aufstieg, Provisionen oder Tantiemen belohnt werden. Selbst in der öffentlichen Verwaltung und in der Justiz (d.h. Staatsanwälte und Richter) werden Mitarbeiter nach ihren Fallzahlen und nicht nach der Qualität ihrer Arbeit beurteilt, geschweige denn nach ethisch und moralisch einwandfreiem Verhalten. Es darf daher mit gutem Recht bezweifelt werden, dass mit dem Volkswagen-Skandal ein Umdenken in unserer Gesellschaft eintreten wird, dass Ethik und Moral Garanten für saubere und nachhaltige Gewinne in der Zukunft sind.