Seit 01.01.2007 gilt die Rechtslage, wonach die Kosten für ein Arbeitszimmer nur noch dann in unbegrenzter Höhe absetzbar sind, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet, § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG 2007 i.V.m. § 9 Abs. 5 EStG 2007. Bis 31.12.2006 waren die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer als Werbungskosten oder als Betriebsausgaben auch dann absetzbar (bis zu 1.250 EUR), wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stand oder wenn das Arbeitszimmers überwiegend (d.h. zu mehr als 50%) für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit genutzt wurde.

Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit

Für diese Beurteilung ist maßgebend, ob der qualitative Schwerpunkt der Gesamttätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer liegt oder nicht. Das ist nach der Entscheidung des Bundesfinanzhofs vom 13.11.2002 (Az. VI R 28/02) dann der Fall, wenn im häuslichen Arbeitszimmer die für den Beruf oder den Betrieb wesentlichen und prägenden Tätigkeiten verrichtet werden. Die zeitliche Nutzungsdauer des Arbeitszimmer ist zwar ein Indiz, aber nicht das entscheidende Kriterium.

a) Arbeitszimmer ist zeitlich und qualitativ Schwerpunkt

Der Abzug der Kosten für ein Arbeitszimmer dürfte (auch) in Zukunft kein Problem sein, wenn die gesamte berufliche oder betriebliche Tätigkeit ausschließlich im häuslichen Arbeitszimmer erfolgt. Dies ist vor allem bei folgende Gruppen relevant:

  • Telearbeiter und Heimarbeiter, die ihre Tätigkeit ausschließlich zu Hause ausüben;
  • freiberufliche Schriftsteller, Journalisten, Übersetzer;
  • Steuerberater, Rechtsanwälte, Architekten, Immobilienmakler, Versicherungsvertreter, Ingenieure, Künstler, Hausgewerbetreibende mit Kanzlei oder Büro im eigenen Haus;
  • Rentner oder Pensionäre, die zu Hause eine Erwerbstätigkeit ausüben.

b) Tätigkeit erfolgt im Arbeitszimmer und außer Haus

Erfolgt die berufliche oder betriebliche Tätigkeit teilweise im häuslichen Arbeitszimmer und teilweise außer Haus, ist entscheidend, wo der qualitative Schwerpunkt der Gesamttätigkeit ausgeübt wird, mit anderen Worten, wo die für den Beruf oder den Betrieb wesentlichen und prägenden Tätigkeiten ausgeübt  werden.

Dies betrifft insbesondere

  • Architekten,
  • Regisseure,
  • Berater,
  • Außendienstmitarbeiter.

Das Arbeitszimmer ist jedoch nicht mehr automatisch der Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit, wenn

  • kein anderweitiger fester Arbeitsplatz vorhanden ist oder
  • im Arbeitszimmer der größte Teil der Einnahmen generiert wird oder
  • im Arbeitszimmer die „geschäftsprägenden Ideen“ entwickelt bzw. die unternehmerischen Entscheidungen getroffen werden, die nur der Vorbereitung und Unterstützung der eigentlichen Tätigkeit außer Haus dienen.

Erst wenn die Arbeiten im Arbeitszimmer die gesamte berufliche oder betriebliche Tätigkeit prägen, wird das Arbeitszimmer nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs als Schwerpunkt der Gesamttätigkeit anerkannt.

Bei Handelsvertretern liegt der qualitative Schwerpunkt der Gesamttätigkeit nach Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs regelmäßig außerhalb des Arbeitszimmer, da die Tätigkeit im Arbeitszimmer lediglich unterstützende Funktion erfüllt.

c) Schwerpunkt bei Ausübung mehrerer Tätigkeiten?

Bei Ausübung mehrerer Tätigkeiten kommt es nicht darauf an, ob das Arbeitszimmer den Mittelpunkt einer jeden einzelnen Tätigkeit bildet, sondern es sind alle Tätigkeiten in ihrer Gesamtheit zu beurteilen. Die Ermittlung des Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit erfolgt auf Grundlage der Rechtsprechung des BFH anhand folgender Vorgehensweise:

Es wird für jede einzelne Tätigkeit der jeweilige Mittelpunkt bestimmt und dann auf dieser Grundlage der qualitative Schwerpunkt der Gesamttätigkeit ermittelt. Folgende Kriterien sind hierbei zu berücksichtigen:

Ermittlung des Mittelpunkts der Haupttätigkeit bei mehreren Tätigkeiten

Bestimmend ist der Mittelpunkt der Haupttätigkeit. Liegt der Mittelpunkt der Haupttätigkeit nicht im häuslichen Arbeitszimmer, ist dies ein Indiz dafür, dass auch der qualitative Schwerpunkt der Gesamttätigkeit nicht im Arbeitszimmer liegt. Haupttätigkeit ist immer eine nichtselbstständige Vollzeitbeschäftigung aufgrund eines abhängigen Beschäftigungsverhältnis.

Bei Ausübung mehrerer selbstständiger Tätigkeiten oder einer nichtselbstständige Teilzeitbeschäftigung müssen weitere Kriterien geprüft werden, anhand derer der Schwerpunkt der Gesamttätigkeit zu bestimmen ist:

  • Wertigkeit,
  • Einnahmen und
  • Zeitaufwand der einzelnen Tätigkeiten.

Sofern der qualitative Schwerpunkt der Haupttätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer liegt und gleichzeitig noch eine weitere Tätigkeit mit Schwerpunkt außerhalb des Arbeitszimmers ausgeübt wird, ändert dies nichts an der steuerlichen Anerkennung des Arbeitszimmer als Mittelpunkt. Das gilt natürlich erst recht,  wenn auch für die Nebenätigkeit ein Arbeitszimmer genutzt wird.

Ermittlung des Mittelpunkts ohne bestimmende Haupttätigkeit

Werden nebeneinander mehrere Tätigkeiten (ohne eine bestimmende Haupttätigkeit) im Arbeitszimmer ausgeübt, gelten nach Rechtsprechung des Bundesfinanzhof folgende Grundsätze zur Ermittlung des Mittelpunkt der Gesamttätigkeit:

  • Liegt bei allen Tätigkeiten der qualitative Schwerpunkt im Arbeitszimmer, bildet das Arbeitszimmer auch den Mittelpunkt der Gesamttätigkeit.
  • Liegt bei allen Tätigkeiten der qualitative Schwerpunkt außerhalb des Arbeitszimmer oder lässt sich bei diesen kein Schwerpunkt zweifelsfrei zuordnen, kann das Arbeitszimmer auch in der Gesamtschau der Tätigkeiten nicht zum Mittelpunkt der Gesamttätigkeit werden.
  • Liegt der qualitative Schwerpunkt einer Tätigkeit im Arbeitszimmer, aber bei anderen außerhalb des Arbeitszimmer, muss anhand der konkreten Umstände des Einzelfall beurteilt werden, ob auch der Schwerpunkt der Gesamttätigkeit im Arbeitszimmer liegt.