Mit dem Kleinstkapitalgesellschaften-Bilanzrechtsänderungsgesetz (MicroBilG) hat der Gesetzgeber eine weitere Größenklasse unter den Kapitalgesellschaften eingeführt, verbunden mit einigen Erleichterungen bei der Bilanzierung und Offenlegung der Jahresabschlüsse. Leider greifen die Erleichterungen in der Praxis nur an ganz wenigen Stellen, so dass die Vorteile der gesetzlichen Neuregelungen in der Praxis kaum sichtbar werden.

Das Kleinstkapitalgesellschaften-Bilanzrechtsänderungsgesetz (MicroBilG) wurde bereits am 29. November 2012 im Deutschen Bundestag beschlossen und ist am 28. Dezember 2012 in Kraft getreten. Es enthält im wesentlichen Erleichterungen für sog. Kleinstkapitalgesellschaften und gilt erstmals für Jahresabschlüsse, die sich auf einen nach dem 30. Dezember 2012 liegenden Abschlussstichtag beziehen, also auch für Jahresabschlüsse zum 31.12.2012, soweit das Wirtschaftsjahr dem Kalenderjahr entspricht. Die Erleichterungen betreffen die Bilanz, die GuV, den Anhang sowie die Offenlegung.

Neue Größenklasse Kleinstkapitalgesellschaften

Bis zum Inkrafttreten des MicroBilG gab es  – abhängig von der Bilanzsumme, vom Umsatz und Zahl der Mitarbeiter – drei Größenklassen bei Kapitalgesellschaften:

  • kleine Kapitalgesellschaften,
  • mittelgroße Kapitalgesellschaften und
  • große Kapitalgesellschaften.

Nunmehr gibt es mit den Kleinstkapitalgesellschaften eine weitere Größenklasse, die unterhalb der bisherigen „kleinen Kapitalgesellschaften“ anzusiedeln sich und sich gem. § 267a HGB wie folgt definieren: Eine Kapitalgesellschaft gilt als Kleinstkapitalgesellschaft, wenn zwei der drei folgenden Merkmale an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen nicht überschritten werden:

  • Bilanzsumme: EUR 350,000;
  • Umsatzerlöse: EUR 700.000,00;
  • Zahl der Arbeitnehmer gem. § 267 abs. 5 HGB: 10.

In Deutschland existieren rund 500.000 Unternehmen, die unter die neu geschaffene Kategorie „Kleinstbetriebe“ fallen und als Kapitalgesellschaft geführt werden, sei es eine UG, GmbH oder AG.

Erleichterungen gem. MicroBilG

Das MicroBilG sieht „auf dem Papier“ im wesentlichen Erleichterungen

  • bei der Bilanzierung,
  • für die Gewinn- und Verlustrechnungen und
  • hinsichtlich des Anhangs

vor. Im Einzelnen kann die Handelsbilanz gem. § 266 Abs. 1 S. 4 HGB stark verkürzt aufgestellt werden. Insoweit ist mit dem Steuerberater bzw. mit der Buchhaltung zu klären, ob und welche Auswirkungen sich hierdurch auf die Kontierung und die Buchführung ergeben. Da die meisten – wenn nicht sogar alle Kleinstkapitalgesellschaften – eine sog. Steuerbilanz aufstellen und die Vereinfachungen des MicroBilG hier (noch) nicht gelten, ändert sich in diesem Bereich praktisch garnichts. Das Gleiche gilt gem. § 275 Abs. 5 HGB für die GuV, aber auch hier dürften die tatsächlichen Erleichterungen in der Praxis eher gering sein.

Anders sieht es bei der Aufstellung eines Anhangs aus. Dieser ist gem. § 264 Abs. 1 S. 5 HGB nicht mehr erforderlich, wenn die folgenden Angaben unter der Bilanz erfolgen:

  • Haftungsverhältnisse gem. §§ 251, 268 Abs. 7 HGB;
  • Vorschüsse und Kredite an Mitglieder der Verwaltungs-, Geschäftsführungs- oder Aufsichtsorgane gem. § 285 Nr. 9 c HGB;
  • Angaben zu eigenen Aktien gem. § 160 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 AktG bei Aktiengesellschaften.

Hinterlegung statt Veröffentlichung

Eine weitere echte Erleichterung gibt es bei der Offenlegung. Kleinstkapitalgesellschaften sich nicht mehr verpflichtet, den Jahresabschluss zu veröffentlichen. Es genügt die Hinterlegung der Bilanz beim Betreiber des Bundesanzeigers und ein entsprechender Hinterlegungsauftrag, so dass Dritten – gegen entsprechende Bezahlung – eine Kopie der Bilanz ausgehändigt werden kann. Eine Einsichtnahme erfolgt somit nur noch gegen entsprechende Bezahlung. Eine Einreichung der GuV und des Anhangs ist nicht mehr erforderlich.

Es ist jedoch eine Mitteilung an den Betreiber des Bundesanzeigers notwendig, dass zwei der drei in § 267a Abs. 1 HGB genannten Kriterien für die letzten beiden Abschlussstichtage nicht überschritten werden.